Kennzahl-Index: Sicherheit

Folgend ist der das Versicherungsgeschäft primär bestimmende Kennzahlbereich der Sicherheit angesprochen:

Sicherheit und Kalkulierbarkeit sind die zentralen Verkaufsargumente der Versicherer. In den betrachteten Branchen zeigt sich das Sicherheits-Argument für den Kunden jedoch recht unterschiedlich. So „garantiert“ die Aufsichtspraxis in der Lebensversicherung eine Sicherheit nur für den Erhalt der Unternehmen im Sinne der Einhaltung garantierter Leistungen. Konkurrenzfähig werden Kapitalanlagen in Lebensversicherungen jedoch erst über die nicht garantierten erfolgsabhängigen Leistungen. Auch in der nach Art der Lebensversicherung betriebenen Krankenversicherung wirkt die Aufsicht in ähnlicher Weise. In der Krankenversicherung wird der Kunde jedoch auch noch dahingehend am Unternehmungsrisiko beteiligt, dass er nicht in vollem Umfang in den Beiträgen berücksichtigte Schadenkostensteigerungen mit Beitragserhöhungen selber trägt sofern gewisse Grenzen der Kalkulationsbandbreite erreicht sind.

In der Schaden- und Unfallversicherung ist das betriebene Geschäft überwiegend durch kurzfristigere Vertragsdauern geprägt. Nicht wenige Unternehmen versuchen hingegen einem Preisverfall dahingehend entgegenzuwirken, dass sie Bestandstreue mit Bonus-Systemen belohnen. Da in der Schaden- und Unfallversicherung Instrumente wie Beitragsanpassungen  oder erfolgsabhängige Leistungen weitgehend fehlen, ist die Sicherheit der Schaden- und Unfallversicherung in besonderem Maße eine Planungssicherheit des technischen Geschäfts, die insbesondere mit Kennzahlen zur Ausgewogenheit und Angemessenheit über betriebene Sparten hinweg betrachtet ist.

Als eine den Branchen gemeinsame Kapitalanlage orientierte Sicherheits-Kennzahl ist die Quote stiller Reserven unter den Status-Kennzahlen bereits betrachtet. Weitere Sicherheits-Kennzahlen sind mit Ausnahme des Instrumentes der Rückversicherungsnahme Branchen unterschiedlich, die Kennzahlen zielen großteils auch auf den Bewegungsspielraum in den Bilanzen, die sich grob vereinfacht entsprechend der  Abbildung 3 darstellen:    

Aktiva

Passiva

 

 

vorsichtig bewertetes Vermögen:

 

    Kapitalanlagen für Risiko des VU

 

feste Verbindlichkeiten

     im wesentlichen angespartes Deckungskapital

     in Schaden- und Unfall  Schadenrückstellungen

       (Basis der Nettoverzinsung)

 

   

    Kapitalanlagen für Risiko des VN

                   

 

   

    Sonstiges Vermögen

schwache Verbindlichkeiten

     (in Leben im Schlussüberschuss-

      anteilfond gebundene RfB

      in Kranken und zum Teil auch in Schaden-

     und Unfall die RfB)

 

freie Verbindlichkeiten

      in Leben   freie RfB

 

Eigenkapital

 

Summe der Aktiva

Summe der Passiva

     stille Reserven

 

Neben den sogenannten Solvabilitätsvorschriften des §53c des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG), die „zur Sicherstellung der dauernden Erfüllbarkeit der Verträge freie unbelastete Eigenmittel mindestens in Höhe einer Solvabilitätsspanne“ vorsehen, sind dann von den Versicherungsunternehmen sofern Kapitalanlagen für die Bedeckung von Verbindlichkeiten als sogenannter Deckungsstock also insbesondere für "garantierte" Deckungsrückstellungen gebildet werden, spezielle Anlagevorschriften zu beachten, die besonders das Anlagevolumen von Derivaten, von nicht festverzinslichen Wertpapieren und  von Fremdwährungs-Risiken sowie auch die Kummulierung von Risiken betreffen. Die Anlagevorschriften sind im §54a VAG geregelt.

Erstmals im Geschäftsjahr 2002 hat das Aufsichtsamt sowohl einen zeitnäheren wie auch den Kapitalanlagerisiken gerechter werdenden Mechanismus eingeführt, die sogenannten Stresstests, die im Sinne der Solvabilitätsvorschriften, deren Erfüllung unter Annahme verfallender Kapitalanlagewerte durchspielen. Mit den Angaben aus den Geschäftsberichten kann der Aufsichtsrechtliche Stresstest nicht exakt nachempfunden werden, da unterschiedliche Stresszenarien für die Aktien, Grundstückswerte  und übrigen Kapitalanlagen anzusetzen sind, die über die Detailiertheit der Angaben in den Geschäftsberichten hinausgehen. Angenähert kann der Stresstest aber auch mittels der Angaben in den Scorecards nachempfunden werden.

Sowohl in der Lebensversicherung wie in der Krankenversicherung sind neben der Finanzaufsicht auch Auffanggesellschaften und Sicherungsfonds für notleidende Unternehmen zur Gewährleistung von Garantien  vorhanden. In der Schaden- und Unfallversicherung hingegen nicht für alle Sparten.

Index

Keywords: Kennzahl zur Sicherheit: Eigenkapital, Eigenmittel, Solvabilität, Stille Reserven, Rating Ranking Scorecards Versicherungsvergleiche Lebensversicherung Sachversicherung Krankenversicherung Kennzahlen zu Finanzstärke, Sicherheit und Kundenorientierung

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